Der französische Schauspieler Laurent Sauvage. Photo Copyright Jean Louis Fernández. Es ist die Stimme von Laurent Sauvage, der JEU D‘IMAGES von Julien Gaillard liest.

 

(BILDERSPIELE) JEU D’IMAGES – von JULIEN GAILLARD

1. Vielleicht Stephanie? (Die Tochter des Polizisten).

Im Kinderzimmer

Grüne Augen.Die Erzählung, Jeu d‘images(Bilderspiele) von Julien Gaillard, berichtet von einem siebenjährigen Jungen und seinen erotischen Erlebnissen mit gleichaltrigen Mädchen. Eine der ersten ist Stefanie(er erinnert sich nicht mehr genau an den Vornamen), eine Schulkameradin seiner Klasse, mit langen glatten braunen Haaren. Das dunkle Braun ihrer Haare wird gebrochen durch die Blässe ihrer Haut. Ein Blick in ihre grüne Augen, gleicht einem Blick in die schwammigen Meeresgründe, in die geworfene Kieselsteine fallen, um die Frösche zu ärgern.

Traum.Nachts, vor dem Einschlafen, denkt er an sie. In der Dunkelheit sucht er ihr Gesicht, dabei ballt er seine Fäuste und kneift seine Augenlider, um ihr Gesicht im Lichtstrahl wahrzunehmen. Er träumt davon, sie zu entführen; ihren Körper zu stehlen – wie eine Puppe in einem Laden – sie unter das Bett zu fesseln, versteckt zwischen Spielzeug, Plüschtieren, Science Fiction und Comics. Er spürt, durch das Kissen und die Matratze, die feuchte Wärme ihres Körpers. Sie hat keine Angst. Sie ist bereit. Bereit zu was? Die Frage stellt sich hier nicht. Darüber wird nicht gesprochen. Im Zustand ihres gefesselten Körpers, in seinem Traum, geht er mit ihr auf eine nächtliche Reise und spricht mit ihr.

Er spielt mit den gestohlenen Spielsachen seiner Freunde, wie wenn sie ihm gehören würden – das macht sie lebendig. Er muss sie nicht besitzen. Aber es erscheinen die Gesichter der Freunde in ihren leuchtenden Spielzeugen. Deshalb versteckt er seine Beute in einer sicher abgeschlossenen Schachtel. Später spielt er damit: ein Feuerzeug bedruckt mit einem Totenkopf; ein Embleme: Cokaine; eine fiktive Kriegerfigur aus Blei. Er schaut sie an; bewegt sie; lässt sie erstrahlen im staubigen Zimmer; und legt sie zurück in die Schachtel.

Im Traum ist der gefesselte Körper des kleinen Mädchens immer bekleidet. Einzig ist ihr Gesicht unbekleidet und wie nackt. Die Blässe ihrer Haut strahlt unter dem Bett des Jungen, unter seinen feuchten Augenlidern. Ihre Haare verschwimmen in der Dunkelheit des Zimmers; verschwinden im Braun des Teppichbodens. Die Nacktheit ihres Gesichts ist nicht unachtsam, er hat bereits einige Male den Mädchen zwischen die Schenkel geschaut. Hat die Mutter auf einen Besuch zu Freunden begleitet, zu einer Kollegin, die in der Nachbarstadt Bourgoin-Jaillieu oder Tour du Pin wohnt.

Während sich die Mutter mit der Freundin im Wohnzimmer unterhält, spielt er mit dem Mädchen im Kinderzimmer. Beide sind 6 Jahre alt. Ihr Vater ist Polizist. Die Wände, der Boden und die Decke ihres Zimmers sind hellbraun. Die eindringenden Sonnenstrahlen auf dem hellbraunen Farbton geben dem Zimmer eine wilde Atmosphäre, wie das hellbraune Fell der wilden Zirkustiere im Fernsehen. Beide spielen versteckt im Zimmer.

Der Seerosenteich.Sie sitzen sich gegenüber. Sie hat ihren Rock hochgezogen, die blaue Unterhose nach unten bis zu den Oberschenkeln. Sie sprechen nicht. Er hat die Hose aufgeknöpft, zieht den Vorderslip nach unten. Still, schaut jeder auf das andere Geschlechtsteil. Lächelnd, im Halbbewusstsein, gehört nur ihnen dieses Spiel. Im Zimmer – die verschlossene Tür und die Sonne in den Gardinen laden dazu ein. Der Anblick zwischen ihren Schenkeln ist wie ein Blick auf die geschlossenen Knospen auf dem Seerosenteich, auf das glatte Wasser, das der Wurf eines winzigen Hölzchens irritiert. Der hochgezogene Rockstoff ist ein vom Wind verwehter Blätterhaufen. Mehrere Male wiederholen sie das Spiel. Dann ziehen sie sich an.

Es ist spät. Die Mutter und der Sohn verabschieden sich. Die Freundin erzählt etwas später, dass der Vater des Mädchens nicht mehr lebt – er hat sich mit seiner Dienstpistole erschossen – dabei lächelt sie und liegt mit blassem Gesicht auf dem TeppichDie Nacht bricht herein. Unter dem Bett des Jungen erwacht der Wald. Jemand lebt im Traum des Mädchens. Jemand, der atmet.(RECHERCHIERT PETRA RAGUZ)

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Bericht: BILDERSPIELE –  2 / Geraldine  – Im Gymnasium

 

Bibliographie

Ecrire une voix / Ein Text, eine Stimme.

Innerhalb der Veranstaltung TNS CHEZ VOUS!, lesen Schauspieler des strassburger Nationaltheaters unveröffentlichte Texte.

Die Idee war: ein Text, eine Stimme; hier ist es der unveröffentlichte Text Jeu d’images von Julien Gaillard, geschrieben für den Schauspieler Laurent Sauvage. Er spielte u.a. in Erich von Stroheim von Christophe Pellet und Le Camion von Marguerite Duras, über die Androgyne berichtet hat.

Androgyne berichtete auch über den Text „ Tarkovski  – Corps du poète” von Julien Gaillard, und inszeniert von Simon Delétang für das TNS/ Theater Strassburg. Julien Gaillard arbeitet für das Volkstheater in Bussang(Vogesen/Frankreich). Sein Text Jeu d’images ist ein Monolog zum Thema: Anfänge(Commencements).

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