Bildlegende: Les Lorettes.

GARVANI, Sulpice-Guillaume Chevalier Paul (1804-1866)

Copyright Photo RMN-Grand Palais-Bulloz

Frankreich 1761.Die Liebesgeschichte als philosophischer Essay.Von Oscar Heinke.

„Nichts ist unmöglich, wenn man sich liebt“, schreibt George Sand in ihrem Roman Jean de la Roche im Jahre 1859. Die unbeschreiblich, alles-überwältigende Kraft der Liebe liegt den Autoren unserer Weltliteratur schon seit langem am Herzen, doch so einfach, wie es im Zitat der französischen Schriftstellerin scheint, ist es meist nicht. Ganz im Gegenteil ist einer unserer liebsten literarischen Topos eben die „verbotene Liebe“, sprich die Liebe, die unmöglich scheint und allzu oft auch unmöglich ist.

Ob Pyramus und Thisbe in den Metamorphosen Ovids, Tristan und Isolde im Werke Gottfrieds von Straßburg oder Romeo und Julia bei Shakespeare, so scheint die verbotene Liebe, bei den großen Klassikern des Topos, immerzu in einem tragischen Schicksal zu münden.

Die Spannung, welche aus der Auseinandersetzung eines unkontrollierbaren, zutiefst innerlichen Gefühls der Leidenschaft und eines gesellschaftlichen Verbots entsteht, fasziniert bis heute die Autoren und Leser.  So ist es kaum verwunderlich, dass Jean-Jacques Rousseaus Briefroman Julie oder Die neue Heloise zu einem der größten Bestseller des 18. Jahrhunderts zählt. Der Roman, handelt von der unmöglichen Liebesgeschichte zwischen der adeligen Julie d’Étanges und Saint-Preux ihrem Hauslehrer aus bürgerlicher Herkunft. Dieser verlässt ihre Heimat, die Schweiz, und zieht nach Paris, welches zum Briefaustausch zwischen den Liebenden führt. Auch ihre Geschichte endet in der Tragödie, als Saint-Preux in die Schweiz zurückkehrt und dort seine geliebte Julie vorfindet, die unter dem Druck ihres Vaters einen anderen Mann geheiratet und seine Kinder geboren hat. Zwar lieben sich die beiden noch immer, doch Julie stirbt an einem Fieber. Ihr Brief, ein letztes Liebesgeständnis an Saint-Preux erreicht ihn nur nach ihrem Tod.

Französischer Originaltext von Jean-Jacques Rousseau, Julie ou la Nouvelle Héloise, 1761.

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Mit Unterstützung der Familie Yilmaz Altinbas.

 

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