DER LETZTE TANGO IN PARIS oder die Befreiung der Menschheit durch die Erotik

DER LETZTE TANGO IN PARIS
oder die Befreiung der Menschheit durch die Erotik

Der Titel spricht von Tango und Paris. Ein letzter Tanz heißt immer: ein letztes Mal.
Was? das letzte Mal? In diesem Fall geht es um Liebe und Sex.

Ursprünglich ein Film vom italienischen Filmregisseur Bernardo Bertolucci(1941-2018), aus dem Erscheinungsjahr 1972, mit Welterfolg. Aber auch umstritten wegen seiner Aussage über Liebe und Sex. Die zwei Hauptdarsteller, Marlon Brando(1924-2004) und Maria Schneider(1952-2011), im Film das Liebespaar, treffen sich zum Liebesspiel. Das Spiel ist aber mehr als Spiel. Es ist die Philosophie über Liebe, Sex und ihre Tragik; das Spiel um Leben und Tod. Eine unzweifelbare Erotik, die überall existiert. Leider bleibt diese natürliche Erotik nicht lebenslänglich einem Liebespaar erhalten. Deshalb kommt es zu Streit, Hass und Gewalt.

Bekannterweise ist der Wunsch nach ewiger Liebe groß. Es gibt Orte, die Liebe verkaufen. Auch ist zweifelhaft, ob sich Liebe kaufen lässt? Es gibt Experten, die wissen wie das geht. Von ihnen erzählt der Film. Das Dilemma aber ist, das sichere und unumgängliche Ende eines schönen Moments, der nicht ewig dauert.

Experten im Film, sind eine französische Prostituierte Rosa, ihr gutaussehender amerikanischer Ehepartner Paul, ein attraktives wohlgeformtes unerfahrenes französisches junges Fräulein Jeanne. Sie werden Schritt für Schritt im Film um ihre Macht und Ohnmacht erleichtert. Die Prostituierte Rosa(Eigentümerin eines Pariser Stundenhotels), ihr Vorname steht für ihre Schönheit, beendet ihr Leben mit einem Rasiermesser – laut detaillierten Schilderungen des Zimmermädchens – „…dann hat sie den Badevorhang zurückgezogen, ist zum Fenster gegangen…überall ist das Blut…ich habe alles genauso der Reihenfolge sauber gemacht wie sie es getan hat…“. Es ist eindeutig, Rosa lebte, liebte und arbeitete mit Bravour; die Erzählungen der Mutter und ihrer Liebhaber, wohnhaft im Hotel, verdeutlichen das.

Ihren amerikanischen Ehemann Paul hingegen, ein leidenschaftlicher Liebhaber, definiert der Film weniger pragmatisch; sondern hoch sensibel und emotional, nach dem Selbstmord seiner Ehefrau seelisch am Ende. Aber mehr noch, ist er ein Meister der Philosophie der Erotik: nicht unglaubwürdig. Zu einem auserwählten Detail seiner erotischen Ausführungen gehört die Szene Rotkäppchen (Le petit chaperon rouge), die Paul im Liebesspiel mit der um viele Jahre jüngeren Jeanne zeigt.

Rotkäppchen(le petit chaperon rouge)

Die außerordentliche Erotik und Natürlichkeit Jeanne’ helfen ihm hinweg über den Verlust seiner ehelichen Liebespartnerin Rosa. Jedoch versucht sein pervertiertes Wesen die nette junge Dame Jeanne vom Weg abzubringen: „Was für starke Arme du hast! – Starke Arme, um dir besser die Luft aus deinem Popo rauszulassen, mein liebes Kind. – Was für lange Nägel du hast! – Lange Nägel, um dich besser an deinem Hintern zu krallen. – Was für eine lange Zunge du hast! – Eine Lange Zunge, um sie dir besser in deine Öffnung zu stecken. – Was für ein dickes Fell du hast! – Ein Dickes Fell, das ist für alle deine Läuse. – Was ist das? – Das ist dein Glücksbringer und mein Herr Penis.“

Familiengeheimnisse(les secrèts de la famille)

Jeanne’ Expertise ist ihre natürliche Schönheit und ihr Freund Tom, der sie aufrichtig liebt. Noch ist unklar ob beide heiraten werden. In einer weiteren Szene(Familiengeheimnisse), versucht Paul Jeanne von ihren konventionellen Lebensbedingungen zu befreien. Es kommt zu einem heftigen Analkoitus.

„In der Küche ist Butter. Hole die Butter aus der Küche. Darf ich das öffnen? Vielleicht sind da Juwelen drin? Vielleicht sogar Gold. Hast du Angst? Du bist immer ängstlich. – Vielleicht sind da Familiengeheimnisse drin? – Ich werde dir erzählen über die Familie, diese heilige Institution, die die Tugenden den Wilden lehrt. Ich will, dass du mir das wiederholst! Wiederhole es bitte! Heilige Familie! Los sage es! Heilige Familie! Ort der braven Bürger! Sage es! Gestrafte Kinder, bis sie ihre ersten Lügen sagen. Wo der Wille durch Strafe gebrochen wird. Wo die Freiheit durch den Egoismus getötet wird.

Jedoch ist sich Paul noch nicht bewusst, dass es seine letzte Applikation(Anwendung) ist. Jeanne‘ natürliche Hingabe steht im Gegensatz zu Paul’ verspielten Ansatz. Natürlichkeit und Perversion lassen sich nicht verbinden.

Enthüllungen(révélations)

„Was tue ich hier in diesem Appartement mit dir? Liebe? – Nun, wir vögeln ein bisschen auf einer rollenden Nuss. – Du denkst, ich bin eine Hure? – Nein, du bist ein altmodisches Mädchen, das versucht weiterzukommen; und ich bin ein Verrückter. – Deshalb möchtest du mich besitzen? – Nein, das wäre wie bei Sklaven; deinen Namen auf dein Gesicht schreiben; so wie sie es mit Sklaven tun. Sklaven bekommen auf ihren Hintern ein Zeichen gebrannt; ich aber will, dass du frei bist! Du bist immer ängstlich. Halt’s Maul Schweinhund! Hast du verstanden? Ich weiß, es ist schwer. Aber du musst das verstehen: Weißt du, diese Dinge sind wunderbar und selten. Du wirst sie nirgends mehr finden. Diese Dinge halten uns zusammen; ich bin glücklich mit dir!“ …. im Film, in diesem Moment, verlässt Paul das Appartement. Jeanne versucht ihn aufzuhalten und will mitgehen; doch er ist bereits weg. Jeanne hat nicht verstanden um was es geht.

Sie fühlt sich hintergangen und vergewaltigt. Die Entscheidung ihrer Hochzeit mit Tom fällt. Die Liebesbeziehung zu Paul zerbricht. Paul hat seinerseits große Mühe das zu verstehen. Über Jeanne‘ Hingabe zum Liebesakt, kam sein Liebesverständnis. Doch zu spät! Jeanne tötet ihn, eher zufällig.

Die vermittelnde Erotik hingegen hat sich bereits zurückgezogen. Ihr kurzer Liebeskampf führt beide in ein Pariser Tangolokal, in dem Tanzpaare sich unter gewissen Bedingungen der Tangomusik und der Bewegung hingeben. Alles läuft nach Regeln ab. Nichts ist dem Zufall überlassen.

So ist es verwunderlich, dass beide sich getroffen haben, und der anberaumte Befreiungsakt durch die Erotik eher zufällig, – aber keine Dauerlösung – ist.

DER LETZTE TANGO IN PARIS
Ein Film von Bernardo Bertolucci.
Mit Marlon Brando und Maria Schneider.

 

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2019-03-02T20:26:58+00:00 26 décembre 2018|Poesie|
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