Eine illustre brillante Atmosphäre mit naturgetreuen Kostümen

 

hp2_kinder_des_olymp_08391

Mit Andacht bewundern auf dem Olymp alle Besucher die schöne Illusionistin Garance. FOTO: FELIX GRÜNSCHLOSS.

THEATER

Die Kinder des Olymp

Nach dem Film von Jacques Prévert & Marcel Carné

Gespielt im Badischen Staatstheater Karlsruhe

Premiere am 31.01.2016 – Dauer 3 Stunden

In den Hauptrollen:

Die Illusionistin  GARANCE,  JOANNA KITZL a.G.

Der Pantomime BAPTISTE,  JOHANNES SCHUHMACHER

Der Schauspieler LEMAÎTRE,  SEBASTIAN REISS

Der Kriminelle LACENAIRE,  FRANK WIEGARD

Der Graf DE MONTRAY,  JANNEK PETRI

Regie Benjamin Lazar –  Maske Mathilde Benmoussa –  Dramaturgie Jens Peters – Pantomimen-Coaching Guerassim Dichliev –  Musik Clemens Rynkowski – Bühne & Kostüme Adeline Caron –  Video Christophe Otto –  Kostüme Julia Brochier –  Licht Christophe Naillet, Christophe Pöschko – Kostümentwürfe Alain Blanchot

Die Stimmung dieses Theaterstücks schwankt zwischen Traum und Wirklichkeit. Das passt zum Thema: Die Kinder des Olymp. Der Olymp, ursprünglich der Berg, Sitz, Tempel der Götter war im Pariser Theater des 19. Jahrhunderts, der Platz der armen Leute, die auf den oberen Rängen saßen. Diese Grundidee reflektiert den Unterschied arm und reich, hässlich und schön. Die Aneinanderreihung der Szenen ist eine Reise durch eine Traumwelt, die sich Stationen weise aufhält entsprechend der Geschehnisse der Geschichte. Erzählt wird das Aufflammen einer Liebesaffäre, im Pariser Künstlermilieu, in dem Schein und Wirklichkeit sich nicht unterscheiden; und die Liebesflamme bald lichterloh brennt. Gleich einem Juwel, zeigen die Bühnenbilder funkelnde Szenen der glorreichen Liebesgeschichte, der schönen Illusionistin Garance mit ihren Liebhabern und Künstlerkollegen. Die illustre brillante Atmosphäre der Kostüme, Maske und des Make-Up ist äußerst aufwendig recherchiert, entsprechend damaligen Vorlagen; geben dem Bühnenambiente die notwendige Magie, den Zuschauer in dieses Traumland zu entführen, in dem der Liebeszauber oft, sehr geschickt, die grausame Wahrheit mit einem funkelnden Schleier verdeckt.

In Paris, der Stadt der Liebe.

Die Geschichte ist genauso mysteriös wie ihr Titel. Es handelt sich um die Liebe und Schönheit. Zwei untrennbare Begriffe. Es ist aber kein Märchen sondern eine wahre Geschichte, die erzählt vom Theaterleben der Stadt Paris und ihren Künstlern. Sie wurde verfilmt in den Jahren 1942-44 in Paris von Regisseur Marcel Carné und Drehbuchautor Jaques Prévert. Beide verband ein „Poetischer Realismus“ aus den Strömungen ihres Pariser Lebens. Umso bedeutender ist heute die Aussagekraft des Films, und genauso wertvoll als Theaterstück. Sie beweisen, „dass Glaube und Liebe Berge versetzen“. Auch im Theater Funambules, auf der damaligen Theatermeile Boulevard du Crime, sitzen die armen Leute auf dem Olymp. Das zahlende Publikum sitzt im Orchester. Das Funambules war bekannt für seine Theaterpantomine. Der berühmteste Theaterpantomine war Jean Gaspard Deburau (Baptiste). Um ihn geht es in dieser Geschichte.

Mit großen Leidenschaften.

Baptiste (Johannes Schuhmacher), wie sie ihn auf dem Boulevard nennen, ist ein verträumter Künstler, der seine Schwäche zu seiner Tugend macht: Er spielt auf der Bühne einen Pantomime und den Mann im Mond, beides verklärte Rollen, abstrakt und unnahbar. Und erzählt damit Geschichten: über Wahrheiten und Unwahrheiten; von nicht berührbaren Welten, die Geheimnisse bergen; von Fantasie, Träumereien, Wunschvorstellungen, Illusionen; von der Liebe. Er hat viele Gegner. Einer seiner Rivalen ist Pierre-Francois Lacenaire (Frank Wiegard). Ein Gauner, professioneller Killer; auch er macht seine Leidenschaft zu seiner Berufung. Lacenaire kämpft um eine bessere Welt, in dem er das Böse schafft; seine Rivalen aus dem Weg räumt, sich Sachen aneignet, die ihm nicht rechtens gehören. Seine kriminelle Karriere bringt ihn sicher an sein Ziel, den Tod; nach einer langen Reihe von Straftaten. Lacenaire ist ein leidenschaftlicher Verbrecher. Hingegen Baptiste ein leidenschaftlicher Träumer.

Und vielen Illusionen.

Die Geschichte wird dann interessant wenn sich eine Frau in die Reihe dieser leidenschaftlichen Herren stellt. Es ist Garance (Joanna Kitzl), deren Leidenschaft die Freiheit ist. Als Künstlerin erlebt sie ihre Leidenschaft im Theater Funambules. Ihre zweite Tugend ist ihre Schönheit. Der Pantomime Baptiste und die schöne Garance erleben, eine, obwohl leidenschaftliche, unglücklich Liebesaffäre. Aber die Liste ihrer Verehrer ist lang. Der Schauspieler, Frédérick Lemaître (Sebastian Reiss) ist ihr unkompliziertester Liebhaber, bevorzugt jedoch auf der Bühne die Othellorolle. Den elegantesten Hof macht ihr Graf Edouard de Montray (Jannek Petri) und hält offiziell um ihre Hand an. Sie schlägt nicht ab. Auf dem Weg der Freiheit, begegnet Garance ihren Verehrern, deren Suche nach dem Absoluten damit das Ziel erreicht. Garance vermittelt ihnen die Illusion der Liebe und Schönheit.

Ein verführerisches Spiel.

Die Ernsthaftigkeit der Geschichte, stellt die Fragwürdigkeit der Liebe und Schönheit in den Raum. Die Fragwürdigkeit orientiert sich am Menschen, der oft das Gegenteil ist, hässlich und grausam. Liebe und Schönheit sind ideelle Werte, ungeschriebene Gesetze, die im Film und Theater „verhandelt“ werden. So wie Recht und Unrecht im Gerichtssaal verhandelt werden, wird über die Liebe und Schönheit auf der Theaterbühne gespielt. Damit vermittelt das Theater die ideellen Werte, wenn sie nicht schon bekannt sind. Zu erkennen ist am Ende des Stücks, das die ideellen Werte Bestand haben, aber nicht erreicht werden. Sondern das Gegenteil. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Mit Lösungen.

Von ihren Leidenschaften geprägt, erreicht keiner der genannten Akteure auf dem Boulevard du Crime das Ziel. Baptiste, Pantomine, Träumer, heiratet und gründet eine Familie mit Kind; dazu gehört für wahr mehr als nur Träumerei. Lacenaire, obwohl die schöne Garance sein Schutzengel ist, entkommt nicht seiner Hinrichtung. Als eleganter Mörder aus Überzeugung, und um damit einer hässlichen, unfreien Welt aus dem Weg zu gehen, setzt er dem unfreien, untergebenen Menschen den Hut auf. Frédérick Lemaître, obwohl ein geschickter Verführer, spielt auf der Bühne den geplagten Othello, der aus Eifersucht die ihm angetraute Desdemona tötet. Er verwandelt sich vom Verführer zum Rächer. Seine Verführungskünste reichten nicht aus, Garance zu ehelichen. Schließlich ist es Graf Edouard de Montray, der auf der Suche nach der Liebe, ritterlich zur Tat schreitet, Garance ehelicht. Wissend und unwissend, um Garance‘s Liebe zur Freiheit, verzichtet er jedoch geliebt zu werden; denn sie ist unfähig zu lieben. Letztendlich ist Garance die Einzige, die Freiheit besitzt. Die vier Liebesgeschichten beweisen die Existenz ideeller Werte, deren Wunsch nach Erfüllung dazu veranlasst Großes zu tun. Ob Gutes oder Böses, tut nichts zur Sache.

ZU DEN BIOGRAPHIEN: 

Regie Benjamin Lazar, ursprünglich Studium der Deklamation und Gestik im barocken Theater; Geigenstudium und Schauspielausbildung.

Mitwirkung Theater: in Paris: Théâtre du Vieux-Colombier, Théâtre de la Ville, Théâtre de Cornouaille; inszeniert Lesungen im Studio der Comédie Française u. an der Sorbonne; zeigt Pantagruel(Rabelais)  im Théâtre National de Strasbourg; im Badischen Staatstheater Karlsruhe L’Autre Monde ou les États et Empires de la lune(Cyrano de Beregerac); u.a. La Langue-à-langue des chiens de roche(Daniel Danis); Les Animaux ne savent pas qu’ils vont mourrir(Pierre Desproges); Le Garcon aux sept cœurs(Frederico Garcia Lorca) ; George Dandin(Molière) ; Les Juives(Garnier) ; L’Illusion comique(Corneille); gründet sein Théâtre de l’Incrédule.

Mitwirkung Oper: La Vita Humana; Cadmus et Hermione(Lully); Cendrillon und Egisto(Cavalli); Sant’Alessio(Landi); Cachafaz(Oscar Strasnoy) ; Riccardo Primo(Händel);

Mitwirkung Schauspiel: Le Bourgeois Gentilhomme; Feu/Pensées(Pascal) ; Le Dibbouk(Shalom Anski);

Auszeichnung: Plaisir du théâtre,2014, SACD(Vereinigung französischer Autoren u. Theatermacher);

Bühne Adeline Caron, kreiert ab 2014 die Bühnenkonzepte für Benjamin Lazar; Le Bourgeois Gentilhomme(Molière u. Lully); L’Autre Monde(Cyrano de Bergerac); Cadmus et Hermione; Sant’Alessio, Cachafaz; Egisto; Riccardo Primo; Pantagruel; sie ist freie Bühnenbildnerin; arbeitet für Oper u. Schauspiel; erhielt 2000 ihr Diplom an der École Nationale Supérieure des Arts Décoratifs(Paris).

Kostüme Julia Brochier, Mitwirkung bei Benjamin Lazar Egisto(Opéra Comique Paris); desweiteren bei Emma Dantes La Muette de Portici(Théatre de Cornouaille); Thomas Walchs Rita, on aime ou la quitte(Fesitval d’Avignon); Bartabas On achève bien les anges(Elegie)(Zingaro Paris); sie studierte Mode-und Kostüm-Design in Cannes.

Kostümentwürfe Alain Blanchot, Mitwirkung bei Benjamin Lazar, Le Bourgeois Gentilhomme, Sant’Alessio, Cadmus et Hermione; Mitwirkung Bühnenarbeiten bei Bulgakow, Louise Moaty, Jean-Marie Besset u. Gilbert Desvaus; Entwurf der neuen Uniformen/Guerlain/Champs Élysées. Studium Kunstgeschichte; Schule Bercot; arbeitet als Kostümbildner bei Film, Werbung und Theater.

Maske Mathilde Benmoussa, machte eine Ausbildung zum Make-up Artist; arbeitete dann für Kino, Theater und Fernsehen; für die Zusammenarbeit mit Benjamin Lazar studierte sie die Schminkgeschichte des Theaters des 17. Jahrhunderts; und recherchierte das Make-up bei Kerzenlicht, in Le Bourgeois Gentilhomme, entsprechend den Theateraufführungen am französischen Königshof Versailles.

Musik Clemens Rynkowski, ist Pianist, Komponist, Thereminist; er spielt, komponiert und arrangiert für Orchester und Kammerensembles, Film und Theater. Studium in Berlin an der Universität der Künste und Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ ; er unterrichtet an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar.

Video Christoph Otto, realisiert Kurzspielfilme, Dokumentarfilme und Installationen; arbeitet frei am Staatstheater Darmstadt, Mainz, Studiobühne Köln als Videokünstler, Filmemacher und Live-Kameramann; Studium der Freien Bildenden Kunst mit Schwerpunkt Film/Video an der Kunsthochschule Mainz.

Lichtdesign Christophe Naillet, Zusammenarbeiten mit Benjamin Lazar, Louise Moaty; arbeitet für das Festival de France, Festival von Rambouillet, den Komponisten Nicolas Frize, den Choreografen Didier Théron.

Pantomime-Coach Guerassim Dichliev, ist Pantomime, Schauspieler und Clown; ursprünglich Studium an der Nationalakademie für Theater und Kino in Sofia; u. in Paris an der École International de Mimodrame „Marcel Marceau“, mit anschließenden Lehrauftrag.

 

Print Friendly, PDF & Email
2017-05-12T15:33:38+00:00 5 mars 2017|Poesie|
Zurück zur Kategorie